Der Wald: Ort der heilsamen Begegnung

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Dass die Natur uns gut tut, das wissen wir alle intuitiv. Aber wie groß ist das gesundheitsfördernde Potenzial der Natur wirklich? Die heilende Wirkung der Pflanzen bezieht sich aber nicht nur auf ihre Inhaltsstoffe. Sogar die moderne Wissenschaft liefert uns einige Beweise dafür.

Smalltalk mit der Natur

Pflanzen kommunizieren direkt mit unserem Immunsystem und unserem Unterbewusstsein. Diese Interaktion zwischen Mensch und Pflanze hält uns körperlich sowie psychisch gesund und beugt Krankheiten vor. Dafür müssen wir sie weder berühren, noch in Form von Tees, Salben oder Tabletten konsumieren.

Wir Menschen kommunizieren über die Sprache. In der Natur passiert das recht ähnlich: Bäume, Sträucher und andere Pflanzen tauschen Botschaften über chemische Substanzen aus. Genauso wie unsere Wörter tragen diese bestimmte Bedeutungen und somit Informationen. Die meisten dieser chemischen „Wörter“ sind gasförmige Terpene, die zu den sekundären Pflanzenstoffen gehören und auch in ätherischen Ölen zu finden sind. Pflanzen geben die Terpene bewusst an die Luft ab, um Insekten und Tiere anzulocken oder sich vor ihnen zu schützen und andere Pflanzen vor Schädlingen zu warnen.

Aber was hat das mit uns Menschen zu tun?

Pflanzen an Immunsystem: „Mehr Killerzellen und Anti-Krebs-Geschütze!“

Lange hat die Wissenschaft den Fehler gemacht, den menschlichen Organismus isoliert zu betrachten. Jetzt weiß man, dass nahezu jeder Erkrankung immunologische Einflussfaktoren zugeschrieben werden können. Eine der Aufgaben unseres Immunsystems ist es, Reize aus der Außenwelt einzuschätzen, zu erkennen und darauf zu reagieren. Das können Viren und Bakterien sowie alle möglichen Substanzen sein.

Im Wald trifft unser kommunikationsfähiges Immunsystem auf die kommunizierenden Pflanzen. Überall schwirren Moleküle umher, die Informationen enthalten. Wir nehmen diesen Cocktail aus bioaktiven Substanzen aus der Waldluft teils über die Haut, vor allem aber über die Lunge auf. Das Faszinierende ist, dass unser Immunsystem diese Pflanzenvokabeln entschlüsseln kann. So wie Pflanzen oft auf Terpene mit einer Steigerung der Abwehrkräfte reagieren, tut es ihnen unser Immunsystem gleich.

Nach einem Waldspaziergang fühle ich mich wohl und entspannt, weniger gestresst als sonst oder manchmal sogar kreativ beflügelt. WissenschafterInnen würde diese Aussage nicht genügen. Bei einer Blutabnahme nach einiger Zeit im Wald können sie feststellen, dass die Anzahl der natürlichen Killerzellen gegen Viren und Krebs deutlich angestiegen ist. Unser Immunsystem setzt ganz bestimmte Proteine ein, um Zellen mit Krebsrisiko aufzuspüren und zu zerstören. Ein japanischer Wissenschafter konnte nachweisen, dass in bewaldeten Gebieten weniger Menschen an Krebs sterben als in Regionen ohne Wald. Waldluft kann mit ihren bioaktiven Terpenen also ohne Übertreibung als Krebsvorbeugung bezeichnet werden.

Die Natur und das menschliche Unterbewusstsein

Auch in unserem Gehirn befinden sich Strukturen, die wie das Immunsystem ohne unser Zutun ununterbrochen mit der Außenwelt in Verbindung stehen und auf sie reagieren. Diese Areale überwachen permanent unsere Umwelt, geben Eindrücke an unser Gehirn weiter und reagieren darauf. Das Stammhirn steuert Funktionen wie Herzschlag, Blutdruck, Atmung oder Schwitzen und produziert den Botenstoff Serotonin. Das limbische System schlägt Alarm, wenn es Anzeichen für Gefahr gibt. Darum ist es für dieses Areal besonders wichtig, dass wir in der Natur Ängste und Sorgen loswerden.

Heutzutage verursachen sehr viele Faktoren Stress und so kommt es bei manchen Menschen zu chronischen Stressbelastungen. Folglich sind häufige Zivilisationskrankheiten zum Beispiel Konzentrationsschwierigkeiten, Herz- und Kreislaufprobleme, Schlaf- und Essstörungen, Angst und Depression, Magen- und Darmbeschwerden. Auch bei der Entstehung von Krebs spielt der Stressfaktor eine Rolle.

Beim Aufenthalt im Wald werden die Stresshormone Cortisol und Adrenalin signifikant zurückgefahren, die Herzfrequenz ist deutlich ausgeglichener, Blutdruck und Stressniveau sinken.

Heilsame Aspekte der Natur

Wälder beeinflussen uns über alle fünf Sinne. Auf die Bedeutung der Gerüche des Waldes wird häufig vergessen. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass wir uns auf das Sehen und Hören vordergründig konzentrieren. Aus der Biologie und Medizin wissen wir, dass Gerüche immense Wirkungen auf unsere Psyche und unser Unterbewusstsein haben. In der Aromatherapie bekommen PatientInnen verschiedene Gerüche aus der Natur zur Unterstützung der Heilung verabreicht. Das kommt vor allem bei SchmerzpatientInnen und Menschen mit chronischen Stresssymptomen, innerer Unruhe, Panik, Depressionen und Bewusstseinsstörungen zum Einsatz.

Dass Bewegung an der frischen Luft gesund ist, steht außer Frage. Wer Probleme mit dem Bewegungsapparat hat, beispielsweise nach einer Hüft-Operation, tut sich etwas Gutes und schont seine Gelenke damit, auf weichem Waldboden zu gehen. Die Fortschritte sind konkret spürbar und die körperliche Regeneration wird gestärkt.

Alleine der regelmäßige Aufenthalt in der Natur führt zur messbaren Linderung der Symptome bei Angst- und Panikstörungen, Depression und Burnout sowie sämtlichen Krisen und Perspektivlosigkeit. Aber das ist noch nicht alles: ForscherInnen konnten nachweisen, dass Waldluft ADHS PatientInnen hilft, ihre Nervosität in den Griff zu bekommen. Kinder mit und ohne Aufmerksamkeitsproblemen profitieren stark von Naturerfahrung. Auch die Kommunikationsfähigkeit der Kinder steigt und Symptome wie Unruhe, Hyperaktivität und Konzentrationsschwäche lassen sich durch regelmäßiges Spielen in der Natur lindern.

Runter vom Sofa und hinein in den Wald

Darum kann ich dir nur von Herzen empfehlen, es mir gleich zu tun und ab und zu einmal einen Spaziergang im Wald zu machen oder Naherholungsgebiete für die nächste Jogging-Runde zu nutzen. Wer nicht die Möglichkeit hat, sich regelmäßig in die Natur zu begeben, der kann sich die Natur auch nachhause in die eigenen vier Wände holen. Schon allein der Ausblick ins Grüne oder eine Zimmerpflanze haben positive Auswirkungen auf die Gesundheit und die Psyche.

And into the forest I go,
to lose my mind and find my soul
— John Muir

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